Massive Kostenanstiege in der Textilservicebranche

Die Turbulenzen in der Politik und in den Märkten schlagen dramatisch bei den Kosten des Textilservice durch. Schon im Bericht über das 1. Halbjahr 2021 berichteten wir vom stärksten Anstieg seit 10 Jahren. Lieferengpässe und neue wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Ausrichtungen nach dem ersten Pandemiejahr zeigten bereits Wirkung.

Am Ende des zweiten Jahres der Corona Pandemie sind die Gesellschaft und die Märkte von einem Schock zum nächsten gestoßen worden und diese Entwicklung ist weder zu Ende noch in ihren Ergebnissen kalkulierbar: Energiepolitische Wende, öko-soziale Ausrichtung der Politik, Krieg in der Ukraine, verkomplizierte Lieferketten in vielen Bereichen, eine sich herausbildende neue Welthandelsordnung. Die Weltwirtschaft ist von Ressourcenknappheiten und Lieferengpässen gekennzeichnet, die zu einer angebotsinduzierten Inflation beim Euro führt. Dies wird gerade in den ersten Wochen des Jahres 2022 deutlich. Wir haben die Betrachtung des DTV-Kostenindex deshalb bis zum Februar 2022 gezogen, auch wenn dafür noch nicht alle Daten vorliegen.

Der Gesamtindex steigt per Ende 2021 um 8 Punkte von 107 auf 115, ein bisher nicht verzeichneter Anstieg. Diese 8 Punkte im Jahresvergleich erscheinen jedoch harmlos verglichen mit der Dynamik des Jahresanfangs 2022. Im Januar und Februar 2022 sind zusätzliche 8 Punkte dazu gekommen und die Verwerfungen der Märkte durch den Ukrainekrieg sind nicht eingefangen. Die Preiserhebungen werden vom Statistischen Bundesamt jeweils Mitte des Monats erhoben. Der Einmarsch russischer Truppen geschah am 24.02.2022.

Der dynamischste Kostentreiber ist weiter die Energie. Zur politisch gewollten Kostensteigerung bzw. Verknappung bei nuklearer und fossiler Energie kommen die geopolitisch bedingten Preisschocks. Der Energiepreisindex war schon zur Jahresmitte 2021 um 12 Punkte gestiegen. Das hat sich über das Gesamtjahr auf 24 Punkte verdoppelt und per Mitte Februar – vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine – sind nochmal 23 Indexpunkte hinzugekommen. Seit Ende 2020 haben sich die Energiekosten von 98 Indexpunkten auf 122 zum Jahresende und auch 145 imFebruar 2022 erhöht. Die stärksten Treiber im Gesamtindex sind Gas, Öl und Kraftstoff und in der Folge Strom.

Inflation wird Kosten treiben

Über lange Zeit der Pandemie sind die Personalkosten aufgrund der geltenden Tarifverträge beständig geblieben. Durch die angekündigte Erhöhung des Mindestlohns per 01.10.2022 ist jedoch eine deutliche Anpassung nach oben zu erwarten. Denn im Jahresverlauf 2022 wird der gesetzliche Mindestlohn um rund 22 Prozent steigen.

Auch der Teilindex für die Textilien stieg 2021 auf 112 Punkte verglichen mit 107 2020. Das war insgesamt stärker auf die inländischen Erzeugerpreise zurückzuführen als auf die Einfuhrpreise.

Statistisch waren die größten Kostenblöcke Personal und Textilien verglichen mit den Energiepreisen stabiler, im Ergebnis wirkt sich aus, dass nicht eine der Kostenpositionen des Index unter dem Vorjahr lag, wie dies in Vorjahren der Fall gewesen ist. Die Inflation und die Markbedingungen werden inzwischen von den Teilnehmern akzeptiert. Die Frage ist eher wie weit werden die Kostensteigerungen noch gehen und auf welchem Niveau findet die Beruhigung statt. Aktuell sind die Märkte teilweise außer Kraft gesetzt. Das gilt vor allem bei den Energiemärkten, die seit Jahren schon politisch gesteuert sind und nun sogar zum Mittel der Kriegsführung werden.

Es herrscht große Unsicherheit an den Märkten, sodass die Anbieter nach den Prinzipien des vorsichtigen Kaufmanns auch noch Risikoaufschläge bei ihren Kalkulationen einbauen müssen. Ankommen wird es auf ein partnerschaftliches Miteinander mit Lieferanten und Kunden, um die teilweise disruptiven Preissteigerungen mit Augenmaß zu verarbeiten.

Fundierte Datengrundlage

Der Kostenindex für den Textil Service beruht auf den Daten der öffentlich zugänglichen Statistiken des Bundesamtes für Statistik und der Tarifverträge, die in der Textil Service-Branche abgeschlossen werden. Für die einzelnen Kostengruppen wurden Indikatoren definiert, die überwiegend den langen Reihen der Fachserie 17, Reihe 2, von Destatis entnommen sind. Ein Beispiel: Die Entwicklung der Kosten für Textilien wird durch vier gewichtete Indikatoren erfasst: (1) den Erzeugerpreisindex für Arbeits- und Berufsbekleidung, (2) den Index der Erzeugerpreise für konfektionierte Textilien (ohne Bekleidung), (3) den Index der Einfuhrpreise für Arbeits- und Berufsbekleidung, (4) den Index der Einfuhrpreise für Heim- und Haustextilien. Bei den Energiekosten wurden die Indices der Erzeugerpreise für Strom, Gas und Heizöl verwendet. Die Personalkosten werden durch die Entwicklung der Tariflöhne der Tarifpolitischen Arbeitsgemeinschaft Textilreinigung (TATEX) sowie des Industrieverbandes Textil Service (intex) beschrieben. Auf diese Weise können Textil Service-Kunden neutral und auf transparenter Datenbasis die Kostenentwicklungen im Textil Service nachvollziehen.

Das Bundesamt für Statistik hat die von uns verwendeten Preisindices  auf das Jahr 2015 umbasiert, sodass die Graphen und Tabellen unseres Branchenindex ebenfalls 2015 als Basis haben. Außerdem hat das statistische Bundesamt den Warenkorb für die inländisch produzierte Berufsbekleidung mit Stichjahr 2015 reduziert. Die Preisindices für Flachwäsche und für Importware blieben davon unberührt. Gleichwohl ist der Kostenindex für Textilien vor 2015 deshalb nur eingeschränkt mit dem Textilkostenindex ab 2015 vergleichbar.

 

Download

Den aktuellen Kostenindex für den Textil Service in Deutschland können Sie hier herunterladen: Kostenindex 2021