Stärkster Kostenanstieg seit 10 Jahren

Die gesamtwirtschaftliche Preis- und Kostenentwicklung schlägt sich auch im Textilservice nieder. Im 1. Halbjahr 2021 war eine sehr deutliche Kostensteigerung gegenüber 2020 zu verzeichnen. Sie führte zu einem Anstieg des DTV-Kostenindex für den Textilservice von 107 Punkten Ende 2020 auf 110 Punkte Ende Juni 2021. Damit sind die Kosten im ersten Halbjahr 2021 bereits stärker gestiegen als in jedem der kompletten Jahre seit 2011. Es ist der stärkste Kostenanstieg seit 10 Jahren.

Ein besonders dynamischer Kostentreiber war dabei die Energie. Die Energiekosten haben sich in den letzten Jahren sehr schwankend gezeigt. 2020 sanken sie zunächst aufgrund der pandemiebedingten, globalen Nachfrageschwäche. Wegen der wirtschaftlichen Entspannung nach dem Höhepunkt der Pandemie in 2020 steigen Nachfrage und Preis nun wieder. Zusätzlich zum Erholungseffekt kommen weitere Kostenschübe, weil zum einen die OPEC-Staaten plus Russland wieder geschlossener agieren und weil zum anderen die CO2-Bepreisung als klimapolitische Maßnahme zu höheren Preisen führt. Insbesondere Heizöl und Dieselkraftstoff sind davon betroffen. Der Teilindex Energie stieg um kräftige 12 Punkte seit Ende des Jahres. Dahinter verbergen sich Produktgruppen wie etwa leichtes Heizöl, welches im Vergleich zum Juni 2020 um 35 Indexpunkte höher liegt.

Energiepreise politisch beeinflusst

Die Energiepreise sind sehr stark politisch beeinflusst. Die Umsetzung der Klimaziele einerseits wird auch weiter zu politisch gesteuerten, höheren Energiekosten führen. Darüber hinaus spielt aber auch die zunehmende Knappheit von Öl und Gas, der Verzicht auf Atomenergie, Braun- und Steinkohle und der schleppende Aufbau alternativer Energiequellen eine mittelfristig zentrale, preistreibende Rolle. Selbst wenn die Preise zeitweilig wieder etwas sinken, ist bei den Energiekosten von einer weiterhin substanziellen Kostensteigerung auszugehen.

Basis: statistisches Bundesamt; *bis 2014 nur eingeschränkt vergleichbar, Warenkorb für inl. Erzeugerpreise der BBK ab 2015 verändert

Personalkosten - größter Kostenblock - steigen

Auch bei den Personalkosten – die mit rund 45 Prozent den größten Kostenblock darstellen – gibt es massive Steigerungen. Der gesetzliche Mindestlohn steigt 2021 um insgesamt 2,6 Prozent. Bei den Tarifverträgen der Branche sind ähnliche Lohnsteigerungen beschlossen worden. Der Personalkostenindex als wichtigster Teil des Gesamtindex stieg per 30. Juni um 3 Punkte.

Die Textilkosten stiegen ebenfalls an.

Preisanstieg bei Baumwolle bis zu 50%

Die Preise für Rohstoffe steigen. Der durchschnittliche Preisanstieg, für beispielsweise Polyesterfasern betrug von Mai 2020 bis Mai 2021 über 20 Prozent. Der Preisanstieg bei Baumwolle lag je nach Sorte sogar bei bis zu 50 Prozent. Das macht sich auch deshalb deutlich bemerkbar, da die Beschaffung von Textilien rund 23 Prozent der Kosten im Textilservice ausmacht.

Inflation wird Kosten treiben

Im Ausblick auf die weitere Kostenentwicklung 2021 muss von einer fortgesetzten Kostensteigerung ausgegangen werden. Dies betrifft zunächst weniger die Tariflöhne, die bis Mitte 2022 fixiert sind. Vielmehr ist von einer deutlich höheren Inflationsrate als in den letzten Jahren auszugehen. Dies wird sich einerseits in den wirklich gezahlten Löhnen und Gehältern jenseits der und in den Tarifabschlüssen 2022 und 2023 bemerkbar machen. Es wird aber vor allem die gesamten Sach- und Investitionskosten betreffen und - wie gezeigt - weiterhin sehr stark die Energiekosten.

Die Inflation ist in den letzten Jahren gering gewesen. Teilweise gab es sogar deflationäre Phasen. Die Europäische Zentralbank und die Deutsche Bundesbank verfolgten als Zielmarke für die Inflation einen Wert etwas unterhalb von 2 Prozent. Dies hat sich seit Mitte 2021 geändert. Das Geldentwertungsziel pro Jahr ist von der Europäischen Zentralbank auf 2 Prozent angehoben worden. Dabei kann es, so Bundesbankpräsident Jens Weidmann Ende Juli 2021, kurzfristig sogar zu „Inflationsraten um die 5 Prozent“ kommen. Deutsche Geldpolitiker sind üblicherweise sehr vorsichtig, sodass diese Aussage zusammengenommen mit der Erhöhung des Inflationsziels eindeutig auf höhere Inflationsraten in den kommenden Jahren vorbereitet.

Fundierte Datengrundlage

Der Kostenindex für den Textil Service beruht auf den Daten der öffentlich zugänglichen Statistiken des Bundesamtes für Statistik und der Tarifverträge, die in der Textil Service-Branche abgeschlossen werden. Für die einzelnen Kostengruppen wurden Indikatoren definiert, die überwiegend den langen Reihen der Fachserie 17, Reihe 2, von Destatis entnommen sind. Ein Beispiel: Die Entwicklung der Kosten für Textilien wird durch vier gewichtete Indikatoren erfasst: (1) den Erzeugerpreisindex für Arbeits- und Berufsbekleidung, (2) den Index der Erzeugerpreise für konfektionierte Textilien (ohne Bekleidung), (3) den Index der Einfuhrpreise für Arbeits- und Berufsbekleidung, (4) den Index der Einfuhrpreise für Heim- und Haustextilien. Bei den Energiekosten wurden die Indices der Erzeugerpreise für Strom, Gas und Heizöl verwendet. Die Personalkosten werden durch die Entwicklung der Tariflöhne der Tarifpolitischen Arbeitsgemeinschaft Textilreinigung (TATEX) sowie des Industrieverbandes Textil Service (intex) beschrieben. Auf diese Weise können Textil Service-Kunden neutral und auf transparenter Datenbasis die Kostenentwicklungen im Textil Service nachvollziehen.

Das Bundesamt für Statistik hat die von uns verwendeten Preisindices  auf das Jahr 2015 umbasiert, sodass die Graphen und Tabellen unseres Branchenindex ebenfalls 2015 als Basis haben. Außerdem hat das statistische Bundesamt den Warenkorb für die inländisch produzierte Berufsbekleidung mit Stichjahr 2015 reduziert. Die Preisindices für Flachwäsche und für Importware blieben davon unberührt. Gleichwohl ist der Kostenindex für Textilien vor 2015 deshalb nur eingeschränkt mit dem Textilkostenindex ab 2015 vergleichbar.

 

Download

Den aktuellen Kostenindex für den Textil Service in Deutschland können Sie hier herunterladen: Kostenindex 2021