Textilservice: Hohe Kosten belasten Geschäftsklima - Politik muss verlässliche Rahmenbedingungen schaffen
Berlin, 15.04.2026 – Die wirtschaftliche Lage der Textilservice-Branche in Deutschland spitzt sich weiter zu. Der Kostenindex des Deutschen Textilreinigungs-Verbands (DTV) erreicht mit 131,2 Punkten ein neues Allzeithoch (Jahr 2021 = 100). Gleichzeitig zeigt die jüngste DTV-Geschäftsklimaumfrage: Die Stimmung in der Branche kühlt deutlich ab und die Erwartungen an die kommenden Monate sind erstmals schlechter als die Bewertung der aktuellen Geschäftslage.
Seit 2021 sind die Kosten in der Branche um über 31 Prozent gestiegen. Besonders belastend wirken neben weiterhin hohen Energiepreisen vor allem steigende Personalkosten sowie massiv erhöhte Finanzierungskosten, die aktuell mehr als zweieinhalbmal so hoch liegen wie noch im Vergleichsjahr 2021.
„Die Unternehmen stehen aktuell unter wachsendem Druck von drei Seiten: Die Kosten steigen immens, die wirtschaftlichen Perspektiven trüben sich ein und gleichzeitig müssen die Betriebe erhebliche Investitionen in Transformation, Klimaneutralität und Digitalisierung stemmen.“, erklärt Andreas Schumacher, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Textilreinigungs-Verbands. „Viele Betriebe arbeiten zunehmend an der Grenze ihrer wirtschaftlichen Belastbarkeit.“
Erwartungen brechen ein – notwendige Investitionen werden erschwert
Nur noch 26 Prozent der Unternehmen rechnen im ersten Halbjahr 2026 mit einer positiven Umsatzentwicklung. Auch die Auslastungserwartungen gehen zurück und dadurch bedingt werden Investitionsplanungen aufgeschoben. Besonders kritisch: Steigende Umsätze führen immer seltener zu höheren Gewinnen. Ein Großteil der zusätzlichen Erlöse wird durch den Kostenanstieg aufgezehrt.
Kostenanstieg wird sich voraussichtlich weiter verschärfen
Zum Jahresende 2025 sind die Energiekosten zwar gesunken, doch bereits in den Monaten Januar und Februar zeigt sich wieder ein deutlicher Anstieg. Dieser erfolgt noch bevor sich die energiepreissteigernden Effekte der Ereignisse in der Straße von Hormus vollständig in den Statistiken niederschlagen können. Kurzfristig ist daher mit weiter deutlich steigenden Energiekosten zu rechnen.
Gleichzeitig erreichen die Personalkosten neue Höchststände. Da sie in vielen Betrieben bis zu 60 Prozent der Gesamtkosten ausmachen können, verstärkt dies den Kostendruck zusätzlich.
Politische Rahmenbedingungen verschärfen die Lage
Nach Einschätzung des DTV steckt gerade jetzt in politischen Regulierungsverfahren die Chance, das Ruder herumzureißen. Insbesondere energieintensive mittelständische Dienstleistungsbranchen sehen sich derzeit gegenüber der Industrie strukturell benachteiligt.
„Es ist nicht vermittelbar, dass energieintensive Mittelstandsbranchen von zentralen Entlastungsmaßnahmen wie der Stromsteuersenkung oder dem Industriestrompreis ausgeschlossen bleiben“, erläutert Schumacher. „Das führt zu einer doppelten Benachteiligung unserer Betriebe.“
Die Textilpflegebranche leistet ihren Beitrag zum Gelingen der Energiewende und investiert große Teile ihrer Marge gleichermaßen in Zukunftstechnologien und Klimaschutzmaßnahmen. Selbst wenn Unternehmen mittelfristig in neue, strombasierte Technologien investieren, fehlt es in vielen Regionen an den notwendigen Netzkapazitäten und Anschlussmöglichkeiten, um diese Umstellung überhaupt tragen zu können. Dadurch sind diese weiterhin auf Gas als einen wesentlichen Energieträger angewiesen.
„Transformation braucht realistische Zeiträume, Planungssicherheit und Investitionsschutz. Ohne verlässliche Rahmenbedingungen werden notwendige Investitionen ausgebremst“, betont DTV-Hauptgeschäftsführer Andreas Schumacher.
DTV fordert gezielte Entlastungen und verlässliche Rahmenbedingungen
Vor diesem Hintergrund fordert der Deutsche Textilreinigungs-Verband konkrete politische Maßnahmen:
- Energiepreise senken: Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß für alle energieintensiven Unternehmen sowie Einbeziehung des Mittelstands in Entlastungsmechanismen
- Versorgungssicherheit gewährleisten: Verlässliche Gasversorgung in der Übergangsphase sowie realistische Transformationsfristen und Investitionsschutz
- Energieinfrastruktur ausbauen: Ortsnahe und leistungsstarke Netzanschlüsse, um eine Elektrifizierung der Betriebe zu ermöglichen
- Arbeitskosten begrenzen: Senkung der Lohnnebenkosten zur Entlastung der Betriebe und Sicherung von Arbeitsplätzen
- Bürokratie abbauen: Spürbare Entlastung statt weiterer zusätzlicher Anforderungen
- Investitionen ermöglichen: Ausbau von Förderprogrammen und Finanzierungsmöglichkeiten, insbesondere für Klimaschutz- und Digitalisierungsmaßnahmen
„Die Branche arbeitet verlässlich, ist systemrelevant, und verfügt über große Zukunftspotenziale. Sie steht beispielhaft für ein erfolgreiches Geschäftsmodell in der Kreislaufwirtschaft und im Bereich nachhaltiger Dienstleistungen“, so Schumacher. „Damit wir dieses Zukunftspotenzial voll ausschöpfen können, brauchen wir jetzt die passenden politischen Rahmenbedingungen."
